Weinregion Toro

Als globetrottende Reisebegeisterte hat es uns in diesem letzten Sommer auf dem Weg von Barcelona in Richtung Portugal nach Toro verschlagen. Wer nun an Stiere, Spanien und Wein denkt, der liegt nicht ganz unrichtig. Allerdings war es ursächlich ein ganz banaler Reifenplatzer, der uns dazu brachte, Toro lieben zu lernen. Wenn der Reifen „z’fätze isch“, hält sich die Freude zunächst einmal in Grenzen. Doch dann blieben wir länger als gedacht – denn dieser Besuch, der eher ein Zufallstreffer war, erwies sich als Griff ins Schatzkästchen spanischer Weinregionen.

Mitten in der Region von Kastilien-Léon liegt die spanische Stadt Toro. Die gleichnamige Weinbauregion ist an sich bekannter als das Städtchen, in das es uns verschlug. Was soll ich sagen – ohne Ersatzreifen in mittäglicher Hitze suchten wir zunächst die Hilfe der lokalen Autowerkstätte. Wir können uns auch darüber nicht beschweren. Das ist hier aber nicht mein Hauptthema. Hier die zehn wichtigsten Gründe, warum Toro auch ohne Reifenplatzer mehr als einen Zwischenstopp wert ist – und ich sicher wiederkomme.

1) Viele Kulturen – ein Wein Wer Toro sieht, glaubt es zunächst kaum. Doch diese kleine Stadt ist Zeuge einer Region, die über die Jahrtausende schon viele Kulturen gesehen hat. Römer, Mauren, Christen – sie alle waren hier und haben nachweislich Weintrauben angebaut und – soweit erlaubt – auch Wein produziert. Dies war aufgrund der Qualität sogar im Mittelalter offiziell genehmigt. Auch Christoph Columbus soll Wein aus Toro auf seine Entdeckungsfahrten geladen haben. Die Stadt blieb über die Jahre seinem Wein treu.

2) Die Geschichte des Weins und eines Rebellen in Toro Wir alle lieben Rebellen. Die Einwohner Toros auch. Denn die Weinbauregion im Umkreis der Stadt hatten den Weinbau letztendlich nach all den Jahrtausenden doch schon fast aufgegeben. Angeblich passte die Qualität des Weins nicht mehr. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schien die Produktion ganz zu stoppen. Und Mitte der 1980er war nur noch ein einziger Winzer übrig geblieben. Dieser gab jedoch nicht auf. Er konnte mit der Produktion in neuem Stil und mit moderner Technik bestehen. Er eroberte damit nachhaltig den Weltmarkt. Schon 1986 erhielt das Gebiet den Status einer Denominacion de origen (D.O.). Danach folgten unzählige Nachahmer. Der Weinanbau erlebte in Toro einen neuen Aufschwung. Heute, mit ungefähr 60 Weingütern in der Region, ist der „Toro“-Wein auf fast jeder Weinkarte des Globus vertreten.

3) Einmalige Lage Am malerischen Fluss Duero gelegen ist diese Stadt eine der besten Gelegenheiten, das Umland genauer zu erkunden. Denn nur 90 Kilometer weiter liegt Portugal. Weitere Weinregionen wie Rueda und Ribera del Duero sind ebenfalls nicht weit entfernt. Malerisch eingebettet ins Weingebiet liegt der Fluss, der besonders schön vom mittelalterlichen Aussichtsturm „Mirador del Duero“ zu sehen ist. Für einen Erkundungsspaziergang bestens geeignet. Danach begibt man sich am besten in ein Bed und Breakfast inmitten der Weinberge. Auch ein Ausflug ins nahe Valladolid bietet sich – sobald die Reifen wieder intakt sind – an.

4) Der Wein: Tinta de Toro Am bekanntesten ist der „Tinta de Toro“, der lokale Wein mit seinen tiefschwarzen, kleinen Trauben. Diese kommen dem Tempranillo gleich. Wer Tannin liebt so wie wir, muss diesen Wein lieben. Natürlich verkosteten wir den Tinta gleich bei der Ankunft. Die kleinen Trauben sind angeblich ein Garant für viel Alkoholgehalt und vollen Geschmack. Letzteres können wir nun mit bestem Gewissen aus eigener Erfahrung bestätigen und empfehlen. Die Weine aus der Region sind aus der spanischen Weinkarte nicht wegzudenken. Von relativ günstig bis kostspielig, von jung bis im Fass jahrzehntelang gereift, bieten sie für jeden Gaumen und Geldtasche ein gutes Angebot

5) Erstaunliche Mischung Verkostet haben wir einiges – denn letztendlich blieben wir ja ein wenig länger als gedacht. Was uns besonders gut gemundet hat, war eine Cuvée von Tinta de Toro und Grenache. Im Bed and Breakfast des Weinguts, wo wir übernachteten, begann die Mischung der Trauben schon im Weingarten. Man erklärte uns dass es hier üblich sei, die Rebstöcke, deren Ergebnisse dann in der Flasche harmonieren, gleich nebeneinander anzubauen.

6) Fantastisches Klima Die Kraft der Sonne ist im Wein spürbar – Fans schwören auf die Weine besonders heisser Sommer. Hier in Toro herrscht das Binnenklima. Die Böden sind sandig, kalkhaltig und karg. Die uralten Reben des Tinta de Toro sind dafür gut gewappnet: sie halten heisse Sommer und kühle Nächte aus. Der Vorteil? Auf diesen Flächen hatte die gefürchtete Reblaus und auch Pilzkrankheiten kaum eine Chance – und die Weinbauern der Region hatten eine Sorge weniger.

7) Der Käse Wer die Vielfalt spanischer Käse verkosten möchte, ist hier richtig. Ein Besuch im „Museo del Queso Chillón“ in Toro zeigt, dass das Thema Käse eine ebenso wichtige Rolle für die Region spielt, wie der Wein. Die Ausstellung lädt auf unterhaltsame Weise zu einer nostalgischen Reise in die Vergangenheit ein – um bei einer tollen Verkostung aus der Traditionsproduktion der Familie Chillón wieder in der Gegenwart anzukommen.

8) Romanische Bauwunder Das bedeutende romanische Bauwerk der Kirche Colegiata de Santa María la Mayor mitten in Toro ist bemerkenswert. Dies gilt auch für Nicht-Kirchen-Fans oder wenn man sonst nicht so viel für die Besichtigung alter religiöser Stätten übrig hat. Sie stammt aus den Ursprüngen der christlichen Tradition ganz Spaniens. Die Iberische Halbinsel war lange Zeit grossteils von Mauren besetzt. Im 12. Jahrhundert gebaut, kann das Gotteshaus daher wohl nicht nur als religiöses Wahrzeichen, sondern auch als eines der Bollwerke der Könige Spaniens gegen die maurische Besetzung gesehen werden.

9) Bodenständigkeit ohne Chichi Diese Region ist nicht schick. Sie hat sich uns grosszügig, freundlich und friedlich gezeigt – und bietet meiner Meinung nach ein Bild des wirklichen, unprätentiösen Alltags Spaniens. Trotz oder gerade wegen des Reifenpechs fühlten wir uns dort schlicht und einfach superwohl. Ein zunächst erzwungenes „slow down“ entwickelte sich zum „feel well“. Wir haben in Toro hervorragend gegessen, getrunken und wurden sehr freundlich aufgenommen. Eines ist sicher: bei meiner nächsten Reise nach Spanien plane ich dort mehr Zeit ein, um Weingüter zu besuchen.

10) Last but not least: das Essen Nicht nur wer gute Tapas essen möchte, ist hier richtig. Schon im Restaurant direkt am Hauptplatz von Toro, in der Nähe der Tankstelle an der wir wegen des Reifens fragten, bot man uns wunderbare Stücke selbstgemachter Chorizo (für meinen Mann) und hausgemachten Ziegenkäse an. Letzterer wurde durch eine Vielfalt ergänzt, die mich verblüffte und als Vegetarierin sehr freute. Churros, Chuchos und Empanadas vervollständigten unsere erste Mahlzeit mit Weinbegleitung an diesem Ort, die den Schock des unfreiwilligen Aufenthalts bedeutend abdämpfte. Diesem Essen folgten noch einige weitere nach. Wer es ausprobieren möchte: La Esquina de Colas am Hauptplatz ist einen Besuch wert.

Weinregion Toro: Unsere Weinempfehlungen

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LA CASA Toro Cepas Viejas

Die Trauben zu diesem Wein entstammen uralten, knorrigen Rebstöcken und dem rauen Klima in Toro. Mit seiner Eleganz und Struktur ist er ist ein besonders gelungener Repräsentant des Tinta de Toro. 4-6 Monate in Eichenfässern ausgebaut, handelt es sich um einen starken Rotwein voller Charakter der mit klassischem Tannin, Röstaromen und dem Duft von dunklen Waldfrüchten überzeugt. Die Vielfalt der Noten dieses Klassikers zeichnen den LA CASA Toro Cepas Viejas besonders aus und machen schon beim Öffnen und Dekantieren grosse Freude.

Im Glas zeigt sich dieser besondere Wein mit einer dunkelroten, fast schwarz anmutenden Farbe, durch die ab und an granatfarbene Reflexe durchschimmern. Am Gaumen bietet er ein sinnliches, komplexes Geschmackserlebnis voller Frucht und saftiger Gerbstoffe.

Der LA CASA Toro Cepas Viejas ist ein eleganter, sehr gehaltvoller und komplexer Wein, der vor allem geschmacksintensive Mahlzeiten und Saucen gut unterstützt. Besonders gut geeignet er sich zu Wildspezialitäten wie Rehragout, Hirschpfeffer, Wildschweinbraten oder Rindsgeschnetzeltem mit Steinpilzen.

Besonderer Tipp: offerieren Sie dazu in der geselligen Runde herbstliche Tapas wie Pilz-Crostini (für Vegetarier), Pata Negra, mit Speck ummantelte Dörrpflaumen und spanische Käsespezialitäten. Der Erfolg ist Ihnen sicher.

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